Abreise im Unwetter

27. September
Tja, nun ist das letzte, das ich dieses Jahr von Island zu sehen bekomme, Unwetter. Der Sturm und Regen im Südosten und Osten des Landes hielt und hält an und langsam beginnt es, mehr als ungemütlich zu werden. Die letzte Nacht in Skaftafell war so stürmisch, dass das Auto in einer Tour vom Wind wackelte und an Schlaf kaum zu denken war.


"lila Wind" ist nicht lustig 😉



"lila Regen" ebenso wenig:


Als ich dann heute Morgen im Dunkel - es wurde einfach nicht hell, obwohl die Sonne längst draußen war - die Gletscherlagune erreichte, kam die nächste schlechte Nachricht: Die Ringstraße musste im Berufjörður gesperrt werden. Eine Nachfrage beim Straßenamt ergab, dass zu viel Wasser über die Straße floss und dabei auch ein Teil der Straße beschädigt wurde. Aber man arbeite dran, könne nur nicht sagen, wann sie wieder freigegeben werde.



Was hatte ich für eine Chance? Keine. Zurück nach Reykjavík und dann über den Norden fahren, das wäre zeitlich nicht drin gewesen. Also hoffte ich auf das Improvisionstalent der Isländer und dass alles gut werden würde ... þetta reddast. Erstmal lud ich noch ein bisschen Eis am Strand ein, um den Lachs zu kühlen und dadurch "sicher" nach Deutschland zu bringen. Einfache Methoden sind doch oft so wirkungsvoll 😀.



Eine knappe Stunde später dann hieß es in den Nachrichten, dass man die Straße wieder öffnen werde und dabei sei, sie zu reinigen. Puh, Glück gehabt. Die eigentliche Stelle, an der das Wasser runterkam und über die Straße lief, konnte ich nicht fotografieren, aber es gab einige Stellen so wie diese, wo die Ringstraße unter Wasser stand:



Wir waren ja mit der Gruppe erst am Samstag entlang der Ostfjorde gefahren und schon da war ich ob der ganzen Wassermassen erstaunt. Aber was ich heute zu sehen bekam, war mehr als eindrucksvoll. Alle Gletscherflüsse waren zu reißenden, tiefbraunen Strömen angewachsen, die ihr Flussbett mehr als erweitert hatten. Von den Berghängen schoss das Wasser ohne Unterlass, jedes kleine Rinnsal war zu einem reißenden Strom geworden, aus dem Nichts tauchten gewaltige Wasserfälle auf. Wahnsinn. Leider ließ sich das alles kaum fotografieren, da es in einer Tour regnete. Aber zu einem Fotobeispiel wagte ich mich dann doch raus:



Hier mal zum Vergleich ein Foto, wie er sonst daherkommt (aus anderer Perspektive - ie war heute nicht möglich, da örtlich nicht ohne Wathosen erreichbar):



So sah der Fluss heute im weiteren Verlauf aus. Ich bin mir nicht sicher, ob die Brücke vorher schon kaputt war oder erst jetzt durch die Wassermassen zerstört wurde:




Als ich den Pass Öxi hinter mir gelassen hatte, war dann nochmal meine Hilfe gefordert. Nachdem eine Reihe von Fahrzeugen schulterzuckend weiterfahren musste, war ich die erste, die ein Abschleppseil im Auto hatte und prompt durfte ich dann auch das Auto aus dem Dreck ziehen, das irgendwie ziemlich merkwürdig von der Straße abgekommen war und hangrunter hing. Aber mit vereinter Hilfe ging trotz des strömenden Regens alles ratzfatz.



Und letztendlich erreichte ich pünktlich die Fähre. So viel Aufregung zum Schluss 😉. Aber nun heißt es: Bye bye Island!

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